Schlagwort-Archive: Prime

In die Röhre geguckt

Es gibt im Scifi / Horrorgenre eine ganze Reihe von Filmen, in denen sich Personen nichtsahnend in einer gefährlichen Situation befinden, bei der sie nicht wissen, wie sie da reingekommen sind und wie sie sich befreien können. Der Klassiker ist sicher zumindest der erste der „Cube“-Filme. Dann gibt’s da noch die äußerst splatterigen „Saw“-Filme, der geniale „El Hoyo“ (Netflix), die Escape Room Filme etc etc. Alle haben sie gemeinsam, dass es wohl nur ein paar Seiten Dialog gibt und auch die Story recht simpel ist. Aber da sie sehr spannend inszeniert sind, ist das weniger wichtig .

Neuester Vertreter ist der französische Scifi / Horrorfilm „Meander“, der neu auf Prime erschienen ist. Eine Frau muss sich durch ein ganzes Labyrinth an Röhren und Gängen auf den Weg in die Freiheit begeben. Was sich ihr dabei alles in den Weg stellt, ist durchaus ideenreich und spannend inszeniert. Der Scifi-Aspekt kommt dabei nicht zu kurz.

Wer unbedingt ein sich gut erklärendes Ende braucht, der ist hier falsch. Ich selbst habe nach dem Film im Internet recherchiert. Dennoch ist der Film gut gemacht und empfehlenswert.

Goldene Weltkugeln

Es gab wohl kein Jahr, in dem derjenige, der nicht oft ins Kino geht, so viele nominierte Filme für die Golden Globes sehen konnte, wie nach dem Jahr, in dem sie es aufgrund der Pandemie nicht ins Kino schafften. Deswegen wurden viele Filme nominiert, die bei digitalen Anbietern liefen. Als Abonnent von Netflix und Prime stehen mir einige sehenswerte Filme zur Verfügung und zur Zeit arbeite ich mich sozusagen durch die Listen. Hier ein paar Beispiele:

Mank (Netflix) – Dieser Film über den Drehbuchautor zu Citizen Kane ist am meisten nominiert. Er hat sicherlich seine Stärken: Gary Oldman spielt (mal wieder) hervorragend, die historische Authentizität spiegelt sich durch die Wahl des Schwarz-Weiß Films, die Musik und die Settings wieder, aber – ich glaube, der absolute „Film des Jahres“ ist es meiner Meinung nach nicht. Dafür ist die Story ein bisserl dünn.

The Trial of the Chicago 7 (Netflix) – Schilderung eines wichtigen Ereignisses in der amerikanischen Geschichte. Es geht um den Prozess gegen sieben Angeklagte, denen nach Unruhen in Chicago eine Verschwörung vorgeworfen wird. Der Film wimmelt nur so vor bekannten Schauspielern. Häufig, wenn viele Stars mit von der Partie sind, treten sie sich auf die Füße und es wird offensichtlich an anderen Dingen, wie dem Drehbuch gespart. Hier ist das nicht der Fall. Der Prozess, aber aber auch die Geschehnisse, die zu ihm führten, werden spannend dargestellt und der Film ist zu Recht nominiert.

Ma Rainey’s black bottom (Netflix) – Ein Film, der zum einem von den superben Schauspielerin lebt – unter anderem Chadwick Boseman in seiner letzten Rolle und Viola Davis als extravagante Sängerin – zum anderen von den Dialogen, die intensiv und emotional die dichte Atmosphäre in diesem begrenzten Setting (Basis war ein Theaterstück) unterstreichen.

One night in Miami (Prime) – Wie der Vorgänger diente auch diesem Film ein Theaterstück als Vorlage. Das tatsächlich stattgefundene Treffen von Malcolm X, Cassius Clay, Jim Brown und Sam Cooke zeigt auf, dass sich an der Situation der afroamerkanischen Bevölkerung seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kaum etwas geändert hat. Der Film zeigt die verschiedenen Charaktere der Berühmtheiten, aber auch, was für sie wichtig ist und worin sie sich unterscheiden. Sehr gut inszeniert.

Sound of Metal (Prime) – Hauptdarsteller Riz Ahmed spielt den Metal Drummer mit Hörverlust so natürlich und gut, dass seine Nominierung völlig gerechtfertigt ist. Was mir besonders gefällt ist, dass dies nicht der typisch, rührselige „Mensch mit Behinderung wird wieder glücklich “ – Film ist, sondern er verläuft anders und bietet damit eine neue Variante.

Ein Film fehlt bei den Nominierungen, leider hat der geniale Film „Tenet“ keine Nominierungen erhalten, was sehr schade ist.

Streaming-Amnesie

Sicher, in diesen Pandemie-Zeiten kommen VoD-Systeme (Video on Demand) gerade recht. Denn sie ersetzen andere Freizeitaktivitäten, die momentan nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Mit zunehmendem Konsum von TV-Serien oder Filmen ergibt sich für mich ein Problem, dass mich stutzen lässt: Es ist mir doch tatsächlich schon mehrere Male passiert, dass ich mir einen Film aussuche, der recht vielversprechend beschrieben wird, ich fange an, den Film zu sehen – und erst nach einer Weile kommen mir gewisse Inhalte bekannt vor. Langsam dämmert es: Den hab ich doch schon mal gesehen? Was nun? Und wie konnte das passieren, bin ich schon so alt und vergesslich? Je nachdem , ob ich mich zusätzlich noch erinnern kann, dass der Film gut oder schlecht war, sehe ich ihn mir noch mal an, oder breche ihn ab.

In einer zusätzlichen Variante – auch gelegentlich passiert – fällt mir ein, dass ich den Anfang des Films entweder nicht gesehen habe (damals später erst eingeschaltet – TV Programm) oder dass ich den ein oder anderen Teil des Films nicht kenne (zwischendurch beim ersten Mal eingeschlafen).

Nach Erkenntnis dieses Problems habe ich mich vertrauensvoll an ein VoD-Forum auf Facebook gewandt und geschildert, was mir mehrmals passiert ist. In ein paar Minuten hatte ich schon mehrere „Das passiert mich auch oft“ „Du bist nicht alleine“ Reaktionen, insgesamt war dies einer meiner meist gemochten / kommentierten Beiträge. Einige schilderten auch das Phänomen – mir nicht unbekannt – dass sie sich zwar plötzlich erinnern konnten, den Film gesehen zu haben, aber nicht mehr wussten, wie er endet. Insgesamt gesehen, war dies einer der am meisten mit „Like“ versehenen und kommentierten Beiträge, die ich bisher in diesem Forum geschrieben habe.

Im Zeitalter des steigenden Konsums von TV-Serien und Filmen über Prime, Netflix und co. ist es völlig ok, wenn der Zuschauer nach einer Weile Filme und deren Inhalte vergisst. Das hat ja auch einen positiven Effekt – man kann einen guten Film noch mal genießen.