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Neues von Netflix

In den letzten Tagen gab es einige neue Eigenproduktionen zu bewundern über die ich mich hier etwas aulassen möchte. Alle drei Tipps sind mehr oder minder sehenswert.

Beckett

Der neue Netflix-Film „Beckett“ mit John David Washington (Tenet) fällt in eine meiner Lieblingskategorien: Thriller, bei dem ein ahnungsloser Normalo in eine extreme Situation gerät und es bleibt lange unklar, was dahintersteckt. Der Hauptcharakter gerät auch von einer üblen Situation in die andere, nachdem er einen Unfall als Tourist in Griechenland hatte. Der Film hat aber meiner Meinung nach zwei Probleme: Dass Otto Normalverbraucher zum Dwayne Johnson wird, also so über sich hinauswächst – schwer zu glauben. Und das Ende mitsamt der Auflösung ist ziemlich durcheinander und fordert geradezu dazu auf, nicht genauer nach Plotholes zu suchen. Ansonsten aber ein recht spannender, guter Film 🙂

Brand new cherry flavor

Also, was man so überall liest…demzufolge soll „Brand New Cherry Flavor“ so ziemlich das Abgedrehteste sein, was bei Netflix jetzt erschienen ist. Nach Sehen der ersten Folge war ich überrascht, wie ziemlich normal das Ganze war, viel Gespräche, langsame Story. In den darauffolgenden Episoden wird es dann doch immer schräger. Was auch die grundlegende Story um eine junge Regisseurin (Rosa Salazar, Alita: Battle Angel), viel Katzen und eine Hexe (Catherine Keener) eigentlich verspricht. Aber man sollte bei dieser Show nicht allzu viel vorher lesen und am besten ohne Erwartungshaltung schauen. Und nein, ich sehe nur wenige Parallelen zu Twin Peaks, eher zu Filmen von David Cronenberg, die aber im Vergleich zu dieser Show recht humorlos daherkommen.

Zum Schluss noch das momentane Highlight:

Gone for good

Bei Netflix ist man fleißig dabei, Büchervorlagen von Harlan Coben zu TV-Serien zu machen. Und das ist auch richtig so, denn bisher war jede absolut spannend und sehenswert. Ob nun „Safe“, „The stranger“ und „The woods“. Interessant übrigens, dass sie aus verschiedenen Ländern kommen. Die neueste Show ist „Gone for good“ aus Frankreich und auch hier gibt’s wieder reichlich Überraschungen, Twists und absolutes Binge-Material, zumal die Show auch ziemlich kurz ist. Absolut sehenswert und mit einer der besten Verfilmungen bisher.

Schiffbrüchig

„Adrift“ ist ein gelungener, neuer Film auf Netflix. Eine junge Frau befindet sich auf einem gekentertem Segelboot mitten im Pazifik. Wie sie dahin gekommen ist, mit wem sie dort ist und ob sie gerettet wird sind Fragen, die im Nachhinein geklärt werden.

Normalerweise bin ich schon ein bisschen gelangweilt, wenn Filme schon weit voran in der Story beginnen und dann die Vergangenheit schildern – wie es zu der Situation gekommen ist. Vor allem, weil mittlerweile sich so viele Filme dieses Stilmittels bedienen. Und: So etwas gab es in ähnlicher Form mit Varianten schon öfters, ob nun Frau und Mann im Wasser vor dem Boot, Frau auf Fels, Hai davor, oder Mann alleine im Boot – auch wenn diese Geschichte auf einer wahren Begebenheit basiert, ist das nichts Neues.

Der Film ist aber deshalb schon anders, weil er zusätzlich eine Liebesgeschichte schildert, die nicht nur als Rahmenprogramm dient, sondern fast schon zentraler ist, als die Situation auf dem Boot . Gute Hauptdarsteller*innen und dazu noch ein Twist ergänzen den positiven Eindruck. Recht sehenswert 🙂

Goldene Weltkugeln

Es gab wohl kein Jahr, in dem derjenige, der nicht oft ins Kino geht, so viele nominierte Filme für die Golden Globes sehen konnte, wie nach dem Jahr, in dem sie es aufgrund der Pandemie nicht ins Kino schafften. Deswegen wurden viele Filme nominiert, die bei digitalen Anbietern liefen. Als Abonnent von Netflix und Prime stehen mir einige sehenswerte Filme zur Verfügung und zur Zeit arbeite ich mich sozusagen durch die Listen. Hier ein paar Beispiele:

Mank (Netflix) – Dieser Film über den Drehbuchautor zu Citizen Kane ist am meisten nominiert. Er hat sicherlich seine Stärken: Gary Oldman spielt (mal wieder) hervorragend, die historische Authentizität spiegelt sich durch die Wahl des Schwarz-Weiß Films, die Musik und die Settings wieder, aber – ich glaube, der absolute „Film des Jahres“ ist es meiner Meinung nach nicht. Dafür ist die Story ein bisserl dünn.

The Trial of the Chicago 7 (Netflix) – Schilderung eines wichtigen Ereignisses in der amerikanischen Geschichte. Es geht um den Prozess gegen sieben Angeklagte, denen nach Unruhen in Chicago eine Verschwörung vorgeworfen wird. Der Film wimmelt nur so vor bekannten Schauspielern. Häufig, wenn viele Stars mit von der Partie sind, treten sie sich auf die Füße und es wird offensichtlich an anderen Dingen, wie dem Drehbuch gespart. Hier ist das nicht der Fall. Der Prozess, aber aber auch die Geschehnisse, die zu ihm führten, werden spannend dargestellt und der Film ist zu Recht nominiert.

Ma Rainey’s black bottom (Netflix) – Ein Film, der zum einem von den superben Schauspielerin lebt – unter anderem Chadwick Boseman in seiner letzten Rolle und Viola Davis als extravagante Sängerin – zum anderen von den Dialogen, die intensiv und emotional die dichte Atmosphäre in diesem begrenzten Setting (Basis war ein Theaterstück) unterstreichen.

One night in Miami (Prime) – Wie der Vorgänger diente auch diesem Film ein Theaterstück als Vorlage. Das tatsächlich stattgefundene Treffen von Malcolm X, Cassius Clay, Jim Brown und Sam Cooke zeigt auf, dass sich an der Situation der afroamerkanischen Bevölkerung seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kaum etwas geändert hat. Der Film zeigt die verschiedenen Charaktere der Berühmtheiten, aber auch, was für sie wichtig ist und worin sie sich unterscheiden. Sehr gut inszeniert.

Sound of Metal (Prime) – Hauptdarsteller Riz Ahmed spielt den Metal Drummer mit Hörverlust so natürlich und gut, dass seine Nominierung völlig gerechtfertigt ist. Was mir besonders gefällt ist, dass dies nicht der typisch, rührselige „Mensch mit Behinderung wird wieder glücklich “ – Film ist, sondern er verläuft anders und bietet damit eine neue Variante.

Ein Film fehlt bei den Nominierungen, leider hat der geniale Film „Tenet“ keine Nominierungen erhalten, was sehr schade ist.

Streaming-Amnesie

Sicher, in diesen Pandemie-Zeiten kommen VoD-Systeme (Video on Demand) gerade recht. Denn sie ersetzen andere Freizeitaktivitäten, die momentan nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Mit zunehmendem Konsum von TV-Serien oder Filmen ergibt sich für mich ein Problem, dass mich stutzen lässt: Es ist mir doch tatsächlich schon mehrere Male passiert, dass ich mir einen Film aussuche, der recht vielversprechend beschrieben wird, ich fange an, den Film zu sehen – und erst nach einer Weile kommen mir gewisse Inhalte bekannt vor. Langsam dämmert es: Den hab ich doch schon mal gesehen? Was nun? Und wie konnte das passieren, bin ich schon so alt und vergesslich? Je nachdem , ob ich mich zusätzlich noch erinnern kann, dass der Film gut oder schlecht war, sehe ich ihn mir noch mal an, oder breche ihn ab.

In einer zusätzlichen Variante – auch gelegentlich passiert – fällt mir ein, dass ich den Anfang des Films entweder nicht gesehen habe (damals später erst eingeschaltet – TV Programm) oder dass ich den ein oder anderen Teil des Films nicht kenne (zwischendurch beim ersten Mal eingeschlafen).

Nach Erkenntnis dieses Problems habe ich mich vertrauensvoll an ein VoD-Forum auf Facebook gewandt und geschildert, was mir mehrmals passiert ist. In ein paar Minuten hatte ich schon mehrere „Das passiert mich auch oft“ „Du bist nicht alleine“ Reaktionen, insgesamt war dies einer meiner meist gemochten / kommentierten Beiträge. Einige schilderten auch das Phänomen – mir nicht unbekannt – dass sie sich zwar plötzlich erinnern konnten, den Film gesehen zu haben, aber nicht mehr wussten, wie er endet. Insgesamt gesehen, war dies einer der am meisten mit „Like“ versehenen und kommentierten Beiträge, die ich bisher in diesem Forum geschrieben habe.

Im Zeitalter des steigenden Konsums von TV-Serien und Filmen über Prime, Netflix und co. ist es völlig ok, wenn der Zuschauer nach einer Weile Filme und deren Inhalte vergisst. Das hat ja auch einen positiven Effekt – man kann einen guten Film noch mal genießen.

Profi-Tv

Es besteht kein Zweifel: Deutsche Tv-Serien werden so langsam immer professioneller – so lange sie bei Streaming-Diensten produziert und angeboten werden. Ob das am Budget liegt oder wegen Unterstützung durch amerikanisches Knowhow geschieht weiß ich nicht. In letzter Zeit gab es aber doch gute Beispiele. Meine Meinung dazu ist bisher aber konträr zur allgemeinen Kritikerreaktion.

Nein, ich fand „Dark“ nicht so toll. In Momenten wie dem, wo ein greiser Herr nachts durch die Dorfstraße läuft und etwas a la „Sie sind wieder da!“ ruft ist eher wieder das bei Deutschen Produktionen übliche Fremdschämen angesagt. Aber Respekt für die Idee und die Story. Endlich mal nicht schon wieder eine neue Krimiserie.

Bei „You are wanted“ (Amazon), dass gemischte Reaktionen hervorrief, sehe ich das Ganze wesentlich positiver. Sieht man von gelegentlichen Fauxpas ab – ja, wir Berliner wissen, dass das gezeigte Velodrom und die Gebrüder-Grimm Bibliothek keine US-intelligence Einrichtungen sind – ist die Serie sehr spannend, gut geschrieben, Kamera und Musik stimmen auch.

So gibt es dank der Streamingdienste Hoffnung, dass auch weiterhin hierzulande produzierte Serien qualitativ in Ordnung sind und weltweit gesehen werden.

Update: Meinungsänderung – nach nochmaligen Sehen der ersten beiden Staffeln von Dark wird einem so manches klarer, die Show ist „besser“ zu sehen und macht auch noch in der dritten Staffel Spaß. Gut geschrieben.

Berlins Zukunft

Wir werden in Kürze wissen, wie sich Regisseur Duncan Jones (Sohn von David Bowie) Berlin zur Mitte des Jahrhunderts vorstellt. Der Trailer lässt vermuten, dass er auf den Bau von vielen Hochhäusern setzt. Das Projekt, dass anscheinend so ein bisschen wie eine Blade Runner Version aussieht und einige Stars aufbietet, war schon lange von Jones geplant, konnte aber erst jetzt – wohl auch aus finanziellen Gründen – umgesetzt werden. Gedreht wurde unter anderem in Babelsberg in den dortigen Studios.