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In die Röhre geguckt

Es gibt im Scifi / Horrorgenre eine ganze Reihe von Filmen, in denen sich Personen nichtsahnend in einer gefährlichen Situation befinden, bei der sie nicht wissen, wie sie da reingekommen sind und wie sie sich befreien können. Der Klassiker ist sicher zumindest der erste der „Cube“-Filme. Dann gibt’s da noch die äußerst splatterigen „Saw“-Filme, der geniale „El Hoyo“ (Netflix), die Escape Room Filme etc etc. Alle haben sie gemeinsam, dass es wohl nur ein paar Seiten Dialog gibt und auch die Story recht simpel ist. Aber da sie sehr spannend inszeniert sind, ist das weniger wichtig .

Neuester Vertreter ist der französische Scifi / Horrorfilm „Meander“, der neu auf Prime erschienen ist. Eine Frau muss sich durch ein ganzes Labyrinth an Röhren und Gängen auf den Weg in die Freiheit begeben. Was sich ihr dabei alles in den Weg stellt, ist durchaus ideenreich und spannend inszeniert. Der Scifi-Aspekt kommt dabei nicht zu kurz.

Wer unbedingt ein sich gut erklärendes Ende braucht, der ist hier falsch. Ich selbst habe nach dem Film im Internet recherchiert. Dennoch ist der Film gut gemacht und empfehlenswert.

Neues von Netflix

In den letzten Tagen gab es einige neue Eigenproduktionen zu bewundern über die ich mich hier etwas aulassen möchte. Alle drei Tipps sind mehr oder minder sehenswert.

Beckett

Der neue Netflix-Film „Beckett“ mit John David Washington (Tenet) fällt in eine meiner Lieblingskategorien: Thriller, bei dem ein ahnungsloser Normalo in eine extreme Situation gerät und es bleibt lange unklar, was dahintersteckt. Der Hauptcharakter gerät auch von einer üblen Situation in die andere, nachdem er einen Unfall als Tourist in Griechenland hatte. Der Film hat aber meiner Meinung nach zwei Probleme: Dass Otto Normalverbraucher zum Dwayne Johnson wird, also so über sich hinauswächst – schwer zu glauben. Und das Ende mitsamt der Auflösung ist ziemlich durcheinander und fordert geradezu dazu auf, nicht genauer nach Plotholes zu suchen. Ansonsten aber ein recht spannender, guter Film 🙂

Brand new cherry flavor

Also, was man so überall liest…demzufolge soll „Brand New Cherry Flavor“ so ziemlich das Abgedrehteste sein, was bei Netflix jetzt erschienen ist. Nach Sehen der ersten Folge war ich überrascht, wie ziemlich normal das Ganze war, viel Gespräche, langsame Story. In den darauffolgenden Episoden wird es dann doch immer schräger. Was auch die grundlegende Story um eine junge Regisseurin (Rosa Salazar, Alita: Battle Angel), viel Katzen und eine Hexe (Catherine Keener) eigentlich verspricht. Aber man sollte bei dieser Show nicht allzu viel vorher lesen und am besten ohne Erwartungshaltung schauen. Und nein, ich sehe nur wenige Parallelen zu Twin Peaks, eher zu Filmen von David Cronenberg, die aber im Vergleich zu dieser Show recht humorlos daherkommen.

Zum Schluss noch das momentane Highlight:

Gone for good

Bei Netflix ist man fleißig dabei, Büchervorlagen von Harlan Coben zu TV-Serien zu machen. Und das ist auch richtig so, denn bisher war jede absolut spannend und sehenswert. Ob nun „Safe“, „The stranger“ und „The woods“. Interessant übrigens, dass sie aus verschiedenen Ländern kommen. Die neueste Show ist „Gone for good“ aus Frankreich und auch hier gibt’s wieder reichlich Überraschungen, Twists und absolutes Binge-Material, zumal die Show auch ziemlich kurz ist. Absolut sehenswert und mit einer der besten Verfilmungen bisher.

Goldene Weltkugeln

Es gab wohl kein Jahr, in dem derjenige, der nicht oft ins Kino geht, so viele nominierte Filme für die Golden Globes sehen konnte, wie nach dem Jahr, in dem sie es aufgrund der Pandemie nicht ins Kino schafften. Deswegen wurden viele Filme nominiert, die bei digitalen Anbietern liefen. Als Abonnent von Netflix und Prime stehen mir einige sehenswerte Filme zur Verfügung und zur Zeit arbeite ich mich sozusagen durch die Listen. Hier ein paar Beispiele:

Mank (Netflix) – Dieser Film über den Drehbuchautor zu Citizen Kane ist am meisten nominiert. Er hat sicherlich seine Stärken: Gary Oldman spielt (mal wieder) hervorragend, die historische Authentizität spiegelt sich durch die Wahl des Schwarz-Weiß Films, die Musik und die Settings wieder, aber – ich glaube, der absolute „Film des Jahres“ ist es meiner Meinung nach nicht. Dafür ist die Story ein bisserl dünn.

The Trial of the Chicago 7 (Netflix) – Schilderung eines wichtigen Ereignisses in der amerikanischen Geschichte. Es geht um den Prozess gegen sieben Angeklagte, denen nach Unruhen in Chicago eine Verschwörung vorgeworfen wird. Der Film wimmelt nur so vor bekannten Schauspielern. Häufig, wenn viele Stars mit von der Partie sind, treten sie sich auf die Füße und es wird offensichtlich an anderen Dingen, wie dem Drehbuch gespart. Hier ist das nicht der Fall. Der Prozess, aber aber auch die Geschehnisse, die zu ihm führten, werden spannend dargestellt und der Film ist zu Recht nominiert.

Ma Rainey’s black bottom (Netflix) – Ein Film, der zum einem von den superben Schauspielerin lebt – unter anderem Chadwick Boseman in seiner letzten Rolle und Viola Davis als extravagante Sängerin – zum anderen von den Dialogen, die intensiv und emotional die dichte Atmosphäre in diesem begrenzten Setting (Basis war ein Theaterstück) unterstreichen.

One night in Miami (Prime) – Wie der Vorgänger diente auch diesem Film ein Theaterstück als Vorlage. Das tatsächlich stattgefundene Treffen von Malcolm X, Cassius Clay, Jim Brown und Sam Cooke zeigt auf, dass sich an der Situation der afroamerkanischen Bevölkerung seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kaum etwas geändert hat. Der Film zeigt die verschiedenen Charaktere der Berühmtheiten, aber auch, was für sie wichtig ist und worin sie sich unterscheiden. Sehr gut inszeniert.

Sound of Metal (Prime) – Hauptdarsteller Riz Ahmed spielt den Metal Drummer mit Hörverlust so natürlich und gut, dass seine Nominierung völlig gerechtfertigt ist. Was mir besonders gefällt ist, dass dies nicht der typisch, rührselige „Mensch mit Behinderung wird wieder glücklich “ – Film ist, sondern er verläuft anders und bietet damit eine neue Variante.

Ein Film fehlt bei den Nominierungen, leider hat der geniale Film „Tenet“ keine Nominierungen erhalten, was sehr schade ist.

Gute Unterhaltung

So, das alte Jahr ist vorüber, Zeit für meine persönliche Bestenliste des Jahres. Naturgemäß gab es vor allem bei den Serien und Filmen ein großes Gedrängel, verursacht durch den Lockdown und viel Zeit zuhause, konnte ich viel Gutes konsumieren. Lustig ein bisserl, dass sich mit „The Call“ ein südkoreanischer Film in den Top 5 befindet, aber nicht „Parasite“. Ich fand ihn aber so spannend und gut gemacht, dass er das verdient hat, dort aufzutauchen.

Schwierig bei der Musik: Der Synthwave Track von Kalax ist knapp vor Fatum gelandet, eigentlich finde ich beide Songs aber fast gleich gut.

TV-Serien:

1. Expanse, 5. Staffel (Prime)

2. Upload, 1. Staffel (Prime)

3. The Queen’s Gambit (Netflix)

4. Tales from the Loop (Prime)

5. Dark, 3. Staffel (Netflix)

Filme:

1. Tenet (Blu Ray)

2. The Vast of Night (Prime)

3. The Call (Netflix)

4. The old Guard (Netflix)

5. Captain Phillips (Netflix)

Musikstücke:

1. Kalax „Overcome“

2. Fatum „All in“

3. Trance Wax „Calling for you“

4. Sunny Lax „Mother“

5. Keep Shelly in Athens „Horizon’s Glow“

Alben:

1. Ferr „As above so below“

2. Trance Wax „Trance Wax“

3. Marsh „Lalonie“

Mein Tune des Jahres

Streaming-Amnesie

Sicher, in diesen Pandemie-Zeiten kommen VoD-Systeme (Video on Demand) gerade recht. Denn sie ersetzen andere Freizeitaktivitäten, die momentan nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Mit zunehmendem Konsum von TV-Serien oder Filmen ergibt sich für mich ein Problem, dass mich stutzen lässt: Es ist mir doch tatsächlich schon mehrere Male passiert, dass ich mir einen Film aussuche, der recht vielversprechend beschrieben wird, ich fange an, den Film zu sehen – und erst nach einer Weile kommen mir gewisse Inhalte bekannt vor. Langsam dämmert es: Den hab ich doch schon mal gesehen? Was nun? Und wie konnte das passieren, bin ich schon so alt und vergesslich? Je nachdem , ob ich mich zusätzlich noch erinnern kann, dass der Film gut oder schlecht war, sehe ich ihn mir noch mal an, oder breche ihn ab.

In einer zusätzlichen Variante – auch gelegentlich passiert – fällt mir ein, dass ich den Anfang des Films entweder nicht gesehen habe (damals später erst eingeschaltet – TV Programm) oder dass ich den ein oder anderen Teil des Films nicht kenne (zwischendurch beim ersten Mal eingeschlafen).

Nach Erkenntnis dieses Problems habe ich mich vertrauensvoll an ein VoD-Forum auf Facebook gewandt und geschildert, was mir mehrmals passiert ist. In ein paar Minuten hatte ich schon mehrere „Das passiert mich auch oft“ „Du bist nicht alleine“ Reaktionen, insgesamt war dies einer meiner meist gemochten / kommentierten Beiträge. Einige schilderten auch das Phänomen – mir nicht unbekannt – dass sie sich zwar plötzlich erinnern konnten, den Film gesehen zu haben, aber nicht mehr wussten, wie er endet. Insgesamt gesehen, war dies einer der am meisten mit „Like“ versehenen und kommentierten Beiträge, die ich bisher in diesem Forum geschrieben habe.

Im Zeitalter des steigenden Konsums von TV-Serien und Filmen über Prime, Netflix und co. ist es völlig ok, wenn der Zuschauer nach einer Weile Filme und deren Inhalte vergisst. Das hat ja auch einen positiven Effekt – man kann einen guten Film noch mal genießen.

Tropes

Als ich gestern eine neue Serie „Ghost Wars“ auf Netflix sah, schrieb ich nachher in einem Forum, dass es erfreulicherweise wenig Tropes in der Serie gäbe. Anlass, einmal meine Top 3 zu verkünden. Zur Erklärung: Tropes sind Storyelemente, die oft im jeweiligen Genre wiederverwendet werden – und damit leider oft langweilen bzw. zeigen, dass die jeweiligen Drehbuchautoren keine originellere Ideen hatten.

Da wäre also – oft in Romcoms zu sehen – Person A die Person B liebt, Person B weiß das nicht, bekommt einen Job im Ausland und genau bevor sie abfliegt hetzt Person A zum Flughafen und kann Person B für sich gewinnen.

Oder im Krimi / Thriller: Person A besucht Person B und weiß nicht, dass Person B gefährlich ist. Person C will Person A warnen, aber der geht nicht an das Telefon ran.

Und wo ich bei Krimis bin: Der so intensiv mit dem Fall beschäftigte Kommissar, der seine Familie vernachlässigt, sie aber dann vor dem Verbrecher rettet und alles wird gut – das habe ich auch oft gesehen.

Berlins Zukunft

Wir werden in Kürze wissen, wie sich Regisseur Duncan Jones (Sohn von David Bowie) Berlin zur Mitte des Jahrhunderts vorstellt. Der Trailer lässt vermuten, dass er auf den Bau von vielen Hochhäusern setzt. Das Projekt, dass anscheinend so ein bisschen wie eine Blade Runner Version aussieht und einige Stars aufbietet, war schon lange von Jones geplant, konnte aber erst jetzt – wohl auch aus finanziellen Gründen – umgesetzt werden. Gedreht wurde unter anderem in Babelsberg in den dortigen Studios.

Berlinale-Programm erschienen

Seit heute nachmittag ist das Berlinale-Programm abrufbar. Nach Durchsicht einiger Kategorien fallen mir vor allem die vielen Dokumentationen und experimentellen Filmen auf. Beides ist ok, aber viele gut gemachte Dokumentationen gibt es auch bei Netflix zu sehen und Experimentelles kann interessant sein, wenn aber schon der Texter der Inhaltsbeschreibungen anscheinend nicht weiß, was im jeweiligen Film vor sich geht…

Den klassischen Aussenseiter-Überrascher habe ich noch nicht gefunden, am Interessantesten scheinen Produktionen aus England oder den USA zu sein.