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Berlin hat gewonnen

„Berlin bleibt blau“, so ist es heute in den sozialen Medien vielfach zu lesen. Wer darunter den durchschnittlichen Alkoholpegel des Berliners vermutet, liegt falsch. Denn gestern gab es die mit viel Getöse und illegal gesteckten (Hertha)Fähnchen in der Stadt angekündigte neueste Ausgabe des Berliner Bundesligaduells zwischen Hertha BSC und Union Berlin.

Dass die Stadt nun blau – oder eigentlich korrekter – blau-weiß statt rot geworden ist, liegt an dem 3:1 Sieg von Hertha. So manch einer vermutet die frühe rote Karte für Union als einen entscheidenden Grund für den Sieg. Ich widerspreche aber ein bisschen: Wer Hertha kennt, der weiß, dass das Team vor allem dann Probleme bekommt, wenn es das Spiel gegen einen defensiv eingestellten Gegner gestalten muss. Gegen starke Teams sieht man besser aus. So war es auch gestern lange Zeit schwierig für Hertha, aus dem vermeintlichen Vorteil Kapital zu schlagen. Dass das Ganze gelang, liegt in erster Linie an dem polnischen Stürmer Piątek, der endlich eine seiner vielen Einsatzchancen nutzte und gleich zwei Tore erzielte.

Es gibt in dieser Stadt eine ziemliche Rivalität zwischen diesen beiden Clubs, die ich für mich selbst nicht nachvollziehen kann. Denn ich bin zwar Hertha nahestehend, aber auch sehr gerne Berliner. Als solcher freut es mich, dass es in der höchsten deutschen Liga gleich zwei Vereine gibt, die ein Stadtderby überhaupt ermöglichen. Und ich gönne beiden Vereinen, dass sie erfolgreich sind, oder sein werden. So gesehen hat gestern auf jeden Fall die Stadt Berlin gewonnen.

Das gab es schon lange nicht mehr: Zuschauer im Stadion

Saisonende

Zum Saisonende war noch mal ein richtig starker Gegner Gast im Olympiastadion: der noch amtierende Deutsche Vizemeister RB Leipzig. Das wollten viele sehen, ins Stadion kamen mehr als 60.000 Zuschauer, darunter ca. 10.000 Gäste aus Leipzig, was eine tolle Atmosphäre erzeugte.

Nachdem unter anderem wir schon bei mehreren Heimspielen eine Art Anti-Fussball mit angerührtem Beton in der Verteidigung und höchstens einem Stürmer vorne angesehen hatten, wollte Trainer Pal Dardai offensichtlich mal schauen, ob die Mannschaft auch offensiver spielen kann.

Das Ergebnis: Sie kann und das Ganze sieht wesentlich unterhaltsamer aus als so manches öde 0:0 davor – aber leider waren durch diese Spielweise Torhüter und Abwehr derart überfordert, dass für RB Leipzig praktisch das Motto „Jeder Schuss ein Treffer“ galt. Das 2:6 war dabei wohl ein angemessenes Resultat und der Trainer weiß nun, dass er für eine erfolgreiche Variante dieses Spielsystems noch einige neue, qualititativ gute Spieler braucht.

Gepflegte Langeweile

Wenn ich mir ansehe, welcher Fußballkost ich vor allem in jungen Jahren ausgesetzt war – in meiner damaligen Heimatstadt Münster gab es fast permanent nur Amateurfußball durch den dortigen Drittligisten Preußen Münster in einer Bruchbude namens „Preußenstadion“ zu sehen – verbesserte sich die Situation ungemein durch den Umzug nach Berlin und den Besuch der Spiele von Hertha BSC im Olympiastadion.

Leider stagniert die Entwicklung von Hertha schon seit einiger Zeit. Während andere Hauptstadtclubs in Europa fast ausnahmslos Spitzenteams beheimaten, kommt Hertha auch in dieser Saison nicht über das Mittelmaß hinaus. Was noch schlimmer ist: Der Verein zeigt wieder und wieder vor allem in den Heimspielen, dass er nicht in der Lage ist, ein Spiel zu bestimmen. Unterstrichen wird das Ganze durch eine extrem defensiv ausgerichtete Aufstellung, bei der man froh sein kann, dass wenigstens noch ein Stürmer aufgestellt wird – und das selbst gegen Teams aus dem Tabellenkeller.

Diese langweilige, passive Spielweise hat sich momentan übrigens leider auch auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt und eine Diskussion, ob Hertha ein neues Stadion braucht, scheint überflüssig zu sein.

Stadionbesuch

Den Fußballanhänger zeichnet ja eine große Leidenschaft aus – wobei gelegentlich die Betonung auf „Leiden“ liegt. So widerfuhr es auch mir heute beim Besuch des Bundesligaspiels Hertha – Hoffenheim. Denn bei null Grad und leichtem Schneetreiben knapp 2 h auf dem Allerwertesten zu sitzen, ist schon eine große Herausforderung. Auch wenn alle möglichen Spezialstoffschichten den Körper vor schleichender Abkühlung schützen sollen, fand die Kälte auf Dauer zuverlässig Körperstellen, die sie bearbeiten konnte.

Und so ist es beiden Mannschaften zu verdanken, dass man durch deren zumindest teilweise unterhaltsames Spiel vom Wetter abgelenkt wurde. Das Spiel ging übrigens 1:1 aus.

Hertha – Hoffenheim im Olympiastadion