Testlauf

Ich war erfolgreich – ich war nämlich sozusagen im richtigen Moment auf der richtigen Website. Nachdem letztes Wochenende Aldi und Lidl frühmorgens von Kunden gestürmt wurden, die in Nullkommanix direkt zur Kasse liefen – denn dort wurden die Corona-Tests verkauft – war ein Großteil aller Testinteressierten leer ausgegangen, weil viele Filialen nur Stückzahlen im einstelligen Bereich im Angebot hatten. Es folgte Rossmann Online, an dem Wettlauf nahm ich nicht teil und dann heute – wie gesagt – der richtige Klick zur richtigen Zeit, denn DM hatte offensichtlich gerade kurz davor ein Kontingent (nur) online freigeschaltet. Kurz darauf war schon wieder Schicht.

Nun gehöre ich nicht zu den „Freitestern“, denn ich habe nicht vor mich nach negativem Ergebnis ins Partygetümmel zu stürzen, sondern sie sollen dazu dienen, bei Symptomen einfach für mich selbst festzustellen, ob das Corona, oder nur eine Erkältung ist. Und ja, ich weiß, dass die Dinger keine absolute Sicherheit garantieren.

Ich würde schon deswegen keine Events getestet aufsuchen, weil ich anderen Leuten nicht vertraue, dass sie negativ sind. Ein schönes Beispiel dazu vom letzten DM-Besuch: Eine Kassiererin musste ein Paar gleich zwei Mal ermahnen, den Abstand zum Vordermann einzuhalten. Wie ich der Dame mitteilte, war dies aber nicht das einzige Problem, denn beide hatte ihre Masken auf Pimmelnasenhöhe. Kommentar dazu: Eigentlich überflüssig.

Goldene Weltkugeln

Es gab wohl kein Jahr, in dem derjenige, der nicht oft ins Kino geht, so viele nominierte Filme für die Golden Globes sehen konnte, wie nach dem Jahr, in dem sie es aufgrund der Pandemie nicht ins Kino schafften. Deswegen wurden viele Filme nominiert, die bei digitalen Anbietern liefen. Als Abonnent von Netflix und Prime stehen mir einige sehenswerte Filme zur Verfügung und zur Zeit arbeite ich mich sozusagen durch die Listen. Hier ein paar Beispiele:

Mank (Netflix) – Dieser Film über den Drehbuchautor zu Citizen Kane ist am meisten nominiert. Er hat sicherlich seine Stärken: Gary Oldman spielt (mal wieder) hervorragend, die historische Authentizität spiegelt sich durch die Wahl des Schwarz-Weiß Films, die Musik und die Settings wieder, aber – ich glaube, der absolute „Film des Jahres“ ist es meiner Meinung nach nicht. Dafür ist die Story ein bisserl dünn.

The Trial of the Chicago 7 (Netflix) – Schilderung eines wichtigen Ereignisses in der amerikanischen Geschichte. Es geht um den Prozess gegen sieben Angeklagte, denen nach Unruhen in Chicago eine Verschwörung vorgeworfen wird. Der Film wimmelt nur so vor bekannten Schauspielern. Häufig, wenn viele Stars mit von der Partie sind, treten sie sich auf die Füße und es wird offensichtlich an anderen Dingen, wie dem Drehbuch gespart. Hier ist das nicht der Fall. Der Prozess, aber aber auch die Geschehnisse, die zu ihm führten, werden spannend dargestellt und der Film ist zu Recht nominiert.

Ma Rainey’s black bottom (Netflix) – Ein Film, der zum einem von den superben Schauspielerin lebt – unter anderem Chadwick Boseman in seiner letzten Rolle und Viola Davis als extravagante Sängerin – zum anderen von den Dialogen, die intensiv und emotional die dichte Atmosphäre in diesem begrenzten Setting (Basis war ein Theaterstück) unterstreichen.

One night in Miami (Prime) – Wie der Vorgänger diente auch diesem Film ein Theaterstück als Vorlage. Das tatsächlich stattgefundene Treffen von Malcolm X, Cassius Clay, Jim Brown und Sam Cooke zeigt auf, dass sich an der Situation der afroamerkanischen Bevölkerung seit den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts kaum etwas geändert hat. Der Film zeigt die verschiedenen Charaktere der Berühmtheiten, aber auch, was für sie wichtig ist und worin sie sich unterscheiden. Sehr gut inszeniert.

Sound of Metal (Prime) – Hauptdarsteller Riz Ahmed spielt den Metal Drummer mit Hörverlust so natürlich und gut, dass seine Nominierung völlig gerechtfertigt ist. Was mir besonders gefällt ist, dass dies nicht der typisch, rührselige „Mensch mit Behinderung wird wieder glücklich “ – Film ist, sondern er verläuft anders und bietet damit eine neue Variante.

Ein Film fehlt bei den Nominierungen, leider hat der geniale Film „Tenet“ keine Nominierungen erhalten, was sehr schade ist.

Made in Berlin

Ich hatte vor einiger Zeit mal geschrieben, wie froh ich darüber bin, dass es in Berlin mittlerweile statt dem damaligen Minimal Techno Geschepper immer mehr Künstler gibt, die sich der melodischen, elektronischen Musik verschrieben haben. Ich möchte da vor allem zwei ansprechen, die in letzter Zeit neues Material veröffentlicht haben. Zum einen die Band Gheist. Sie hatten schon in ’19 in Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler B0g ein fantastisches Stück namens „Venere“ veröffentlicht, dass in dem Jahr mein Lieblingssong wurde. Auch der „Fideles“ Remix davon war phänomenal.

Nun haben sie akustische Versionen ihrer Songs in Form einer EP rausgebracht. Hier gefällt mir vor allem „Acoustic salvation“.

Und dann wäre da Martin Roth. Er produziert unter anderem elektronische Musik, die Deep House zuzuordnen ist. Sein neues Stück „Echoes“ erinnert mich an Werke von Olafur Arnalds, Einmusik (auch Berlin) oder Max Richter und bekommt von mir eine klare Empfehlung 🙂

Aufgerüstet

Shopping im Edeka meines Vertrauens. Der Laden ist sonst immer sehr gut gefüllt, hat zwei Eingänge und hat vor allem in der Vergangenheit oft viel Freude bereitet, weil sich dort oft ignorante Pimmelnasen und Maskenlose aufhalten. Nach der neuen Maskenverordnung erwarte ich also einige Kunden, dem eben diese so ziemlich am Allerwertesten vorbeigeht. Aber, je mehr ich so durch die Gänge laufe, desto besser wird meine Laune. Etwa 90 – 95 Prozent aller Anwesenden tragen entweder FFP1 oder FFP2 Masken. Selbst die KassiererInnen und andere Mitarbeiter, die ja sonst fast immer meinten, ein Stück Plastik an der Kasse bewahre sie vor der Ansteckung und deswegen bräuchten sie keine Maske tragen.

Nur eine Kundin läuft ohne Maske herum. Die hat sicher ein (selbsgeschriebenes?) Attest dabei. Ich frage mich, wenn man so krank ist, dass man nicht 10 – 15 Min. so eine Maske tragen kann, sollte man sich dann dem Ansteckungsrisiko ausliefern und einkaufen gehen, wo es doch allerorten- gerade hier in Berlin – Lieferdienste gibt? Aber egal, meine Laune bleibt gut und ich gehe zufrieden nach Hause.

Gute Unterhaltung

So, das alte Jahr ist vorüber, Zeit für meine persönliche Bestenliste des Jahres. Naturgemäß gab es vor allem bei den Serien und Filmen ein großes Gedrängel, verursacht durch den Lockdown und viel Zeit zuhause, konnte ich viel Gutes konsumieren. Lustig ein bisserl, dass sich mit „The Call“ ein südkoreanischer Film in den Top 5 befindet, aber nicht „Parasite“. Ich fand ihn aber so spannend und gut gemacht, dass er das verdient hat, dort aufzutauchen.

Schwierig bei der Musik: Der Synthwave Track von Kalax ist knapp vor Fatum gelandet, eigentlich finde ich beide Songs aber fast gleich gut.

TV-Serien:

1. Expanse, 5. Staffel (Prime)

2. Upload, 1. Staffel (Prime)

3. The Queen’s Gambit (Netflix)

4. Tales from the Loop (Prime)

5. Dark, 3. Staffel (Netflix)

Filme:

1. Tenet (Blu Ray)

2. The Vast of Night (Prime)

3. The Call (Netflix)

4. The old Guard (Netflix)

5. Captain Phillips (Netflix)

Musikstücke:

1. Kalax „Overcome“

2. Fatum „All in“

3. Trance Wax „Calling for you“

4. Sunny Lax „Mother“

5. Keep Shelly in Athens „Horizon’s Glow“

Alben:

1. Ferr „As above so below“

2. Trance Wax „Trance Wax“

3. Marsh „Lalonie“

Mein Tune des Jahres

Das Beste vom Besten

Ich weiß ja nicht, wie es dem geneigten Leser dieser Zeilen geht, aber ich fühle mich noch nicht am Ende des Jahres angelangt. Überall, sei es in den sozialen Medien und auch im TV wird bilanziert, ausgewertet und man erfährt, was andere an diesem Jahr entweder toll oder gar nicht gut gefunden haben. Allgemeiner Tenor: „Gottseidank, das Jahr geht zuende, aber schauen Sie mal hier – das gab’s auch dieses Jahr“ Oder „Hier sind die besten Songs, Filme, Persönlichkeiten“.

Das mag seine Berechtigung haben, aber der Blick auf den Kalender verrät: Das Jahr ist noch nicht vorbei. Markus Lanz vom ZDF präsentierte uns den Jahresrückblick gar schon im November, andere Talkshows sind schon im wohlverdienten (?) Weihnachtsurlaub. Auch wenn noch Wichtiges passieren könnte, gesprochen wird darüber nicht mehr im TV. Am Sonntag nach Weihnachten wird in Deutschland zum ersten Mal gegen Corona geimpft. Ist das nicht ein Top-Ereignis, eine gute Nachricht, in dem Jahr, in dem es sonst viele negative Nachrichten gab? Das wird im Jahresrückblick nicht mehr vorkommen.

Wer sagt denn, dass man nicht noch im Dezember einen Film sieht, der einem besser gefällt, als alle anderen gesehenen Filme bisher dieses Jahr? Oder einen Song hört, der richtig toll ist? Ich werde jedenfalls bis zum Ende des Jahres abwarten, bis ich für mich selbst oder alle anderen, die das interessiert, bilanziere, was ich toll fand.

Berlin hat gewonnen

„Berlin bleibt blau“, so ist es heute in den sozialen Medien vielfach zu lesen. Wer darunter den durchschnittlichen Alkoholpegel des Berliners vermutet, liegt falsch. Denn gestern gab es die mit viel Getöse und illegal gesteckten (Hertha)Fähnchen in der Stadt angekündigte neueste Ausgabe des Berliner Bundesligaduells zwischen Hertha BSC und Union Berlin.

Dass die Stadt nun blau – oder eigentlich korrekter – blau-weiß statt rot geworden ist, liegt an dem 3:1 Sieg von Hertha. So manch einer vermutet die frühe rote Karte für Union als einen entscheidenden Grund für den Sieg. Ich widerspreche aber ein bisschen: Wer Hertha kennt, der weiß, dass das Team vor allem dann Probleme bekommt, wenn es das Spiel gegen einen defensiv eingestellten Gegner gestalten muss. Gegen starke Teams sieht man besser aus. So war es auch gestern lange Zeit schwierig für Hertha, aus dem vermeintlichen Vorteil Kapital zu schlagen. Dass das Ganze gelang, liegt in erster Linie an dem polnischen Stürmer Piątek, der endlich eine seiner vielen Einsatzchancen nutzte und gleich zwei Tore erzielte.

Es gibt in dieser Stadt eine ziemliche Rivalität zwischen diesen beiden Clubs, die ich für mich selbst nicht nachvollziehen kann. Denn ich bin zwar Hertha nahestehend, aber auch sehr gerne Berliner. Als solcher freut es mich, dass es in der höchsten deutschen Liga gleich zwei Vereine gibt, die ein Stadtderby überhaupt ermöglichen. Und ich gönne beiden Vereinen, dass sie erfolgreich sind, oder sein werden. So gesehen hat gestern auf jeden Fall die Stadt Berlin gewonnen.

Das gab es schon lange nicht mehr: Zuschauer im Stadion

Lochdown

Mit der App „Google Maps“ kann man sich ja sehr gut ansehen, wie wenig man während der Pandemie unterwegs war. Die Historie zeigt einem grafisch dann, dass man sich im letzten Monat in erster Linie nur in kleinen Kreisen um das Zuhause bewegt hat.

Gestern hat sich das geändert. Wegen einem wichtigen Termin ging es für mich nach Friedrichshain und da ich weiterhin einen Bogen um den öffentlichen Nahverkehr mache und passionierter Warmduscher bin – weswegen ein Fahrrad bei der Kälte nicht in Frage kommt – ging es zu Fuß dorthin.

Auffällig ist, dass wir zwar einen Lockdown haben. aber der ist ja light und sehr löchrig. Während der mehr als zwei Stunden auf Berlins Gehwegen war eigentlich die gleiche, hohe Anzahl an Passanten unterwegs, wie sonst auch. Vor allem große Schülergruppen und zahlreiche Einkäufer sind mobil wie üblich, was dafür sorgt, dass der auf Abstand achtende Passant eine Art Slalomlauf hinlegen muss, wenn er sich nicht am Geknubbel beteiligen will.

Ich, als Beteiligter, habe diesen seltenen, verlängerten Spaziergang zumindest dazu genutzt, mich mit Bagels, Donuts und Anderem zu versorgen, das ich nicht in unserer Gegend bekommen kann. Mein Mobilititätsverlauf wird also demnächst einen kleinen Ausreißer in der Karte anzeigen.

Spätestens nach dem Ausflug wundert es mich nicht, dass die Infektionszahlen noch nicht so weiter runtergehen, wie sie es sollten. Ein richtiger Lockdown scheint meiner Meinung nach richtiger zu sein.

Frankfurter Tor während des Ausflugs

Light ist nicht genug

Seit einiger Zeit existiert der Lockdown Light – in Berlin hatte man schon davor einige Beschränkungen eingeführt. Das Ergebnis ist recht dürftig, wenn nicht gar keineswegs zufriedenstellend. Erst gestern meldeten mehrere Berliner Zeitungen den absoluten Höchststand von über 1900 Neuinfektionen. Zwar hatten am Tag zuvor zwei Bezirke nichts gemeldet – wie leider nur eine Zeitung berichtete. Aber fest steht, die Zahlen mögen zwar nicht mehr explosionsartig steigen, der Effekt des Lockdowns ist aber bisher eher dürftig. Heute sank der Berliner Wert auf ca. 1300 Neuinfektionen, bundesweit kommt man aber immer noch nicht unter die 20.000 er Marke – mit den entsprechenden Konsequenzen für Krankenhäuser und Tests.

Wenn die Kanzlerin am Montag mit den Ministerpräsidenten tagt, gibt es meiner Meinung nach nur eine Lösung: Der Lockdown muss ein richtiger werden – das Mantra der aufzubleibenden Schulen muss aufgegeben werden, nur noch Geschäfte wie Lebensmittelläden, Drogerien und Apotheken sollten öffnen dürfen und eventuell brauchen wir auch eine abendliche Ausgangssperre.

Gerade in Berlin, einer Metropole, wird es schwierig werden, die Infektionszahlen zu senken. Je früher man damit beginnt, desto besser.

Prenzlberger Blätterwald

Momentan sind fast alle Blätter von den Bäumen gefallen und ein Farbenspiel, wie es in den letzten Jahren selten vorkam, endet. Warum die Bäume dieses Jahr besonders bunt und nett anzusehen waren, weiß ich nicht. Wie auch immer: Da unsere Wege nun auf Berlin beschränkt sind, ist es gut, bei Spaziergängen in der Nachbarschaft schöne Ansichten zu haben, die man sonst nicht bekommt.