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Zurück im Saal

Nein, ein Konzert im Club, eingepfercht, schwitzend in der Menge – so weit möchte ich auch fertig geimpft noch nicht gehen, so sehr ich Livemusik mag. Aber in der festlichen Konzerthalle am Gendarmenmarkt, Neoklassik von Komponist Max Richter – die Versuchung war zu groß. Also wurde es das erste Livekonzert, dass wir seit The Twilight Sad im November 2019 wieder besuchten.

Es hat sich gelohnt. Richter spielte am Piano zusammen mit seinen Streichern, einer Sängerin und unter Verwendung von Synthesizern aus zwei Werken. Zum einen die bisher mir unbekannte Musik zum Kurzfilm Intra. Zum anderen die wunderschöne Musik zur TV-Serie „The Leftovers“ – immer noch eine meiner Favoriten unter den Shows.

Eine richtig schöne Hymne aus der Tv-Show „The Leftovers“

Das gesamte Konzert war in Sachen Pandemie gut vorbereitet, Scans und Masken inklusive, wobei letztere während des Konzerts abgenommen werden konnten – ich ließ meine aber wie einige andere Zuschauer*innen auf. Was eigentlich ein Klassiker ist – das Husten vor dem Konzert und leicht unterdrücktem Husten während der Musik -hielt sich in Grenzen- wer will auch seinen Sitznachbarn in diesen Zeiten verschrecken?

Die Sicht war fast optimal, weit vorne, wenn auch sozusagen auf der falschen Seite, weil sich die Mehrzahl der Musiker mehr rechts als links auf der Bühne befanden.

Insgesamt gesehen war es richtig toll, endlich mal wieder Livemusik zu hören und sehen. Etwas, was sich öfters wiederholen lässt.

Made in Berlin

Ich hatte vor einiger Zeit mal geschrieben, wie froh ich darüber bin, dass es in Berlin mittlerweile statt dem damaligen Minimal Techno Geschepper immer mehr Künstler gibt, die sich der melodischen, elektronischen Musik verschrieben haben. Ich möchte da vor allem zwei ansprechen, die in letzter Zeit neues Material veröffentlicht haben. Zum einen die Band Gheist. Sie hatten schon in ’19 in Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler B0g ein fantastisches Stück namens „Venere“ veröffentlicht, dass in dem Jahr mein Lieblingssong wurde. Auch der „Fideles“ Remix davon war phänomenal.

Nun haben sie akustische Versionen ihrer Songs in Form einer EP rausgebracht. Hier gefällt mir vor allem „Acoustic salvation“.

Und dann wäre da Martin Roth. Er produziert unter anderem elektronische Musik, die Deep House zuzuordnen ist. Sein neues Stück „Echoes“ erinnert mich an Werke von Olafur Arnalds, Einmusik (auch Berlin) oder Max Richter und bekommt von mir eine klare Empfehlung 🙂

Gute Unterhaltung

So, das alte Jahr ist vorüber, Zeit für meine persönliche Bestenliste des Jahres. Naturgemäß gab es vor allem bei den Serien und Filmen ein großes Gedrängel, verursacht durch den Lockdown und viel Zeit zuhause, konnte ich viel Gutes konsumieren. Lustig ein bisserl, dass sich mit „The Call“ ein südkoreanischer Film in den Top 5 befindet, aber nicht „Parasite“. Ich fand ihn aber so spannend und gut gemacht, dass er das verdient hat, dort aufzutauchen.

Schwierig bei der Musik: Der Synthwave Track von Kalax ist knapp vor Fatum gelandet, eigentlich finde ich beide Songs aber fast gleich gut.

TV-Serien:

1. Expanse, 5. Staffel (Prime)

2. Upload, 1. Staffel (Prime)

3. The Queen’s Gambit (Netflix)

4. Tales from the Loop (Prime)

5. Dark, 3. Staffel (Netflix)

Filme:

1. Tenet (Blu Ray)

2. The Vast of Night (Prime)

3. The Call (Netflix)

4. The old Guard (Netflix)

5. Captain Phillips (Netflix)

Musikstücke:

1. Kalax „Overcome“

2. Fatum „All in“

3. Trance Wax „Calling for you“

4. Sunny Lax „Mother“

5. Keep Shelly in Athens „Horizon’s Glow“

Alben:

1. Ferr „As above so below“

2. Trance Wax „Trance Wax“

3. Marsh „Lalonie“

Mein Tune des Jahres

Himmlische Pads

Der New Yorker Künstler Marsh (@marshmusic) hat kürzlich so etwas wie eine Double A Side auf einem meiner Lieblingslabels Anjunadeep veröffentlicht. Zwei Tracks – „Don’t wait“ und „Lailonie“, die sich in ihrer hohen Qualität gegenseitig nichts nehmen – ähnlich im Stil, aber dennoch beide für sich stehende, faszinierende Kompositionen.

Das Rezept ist recht einfach: Man nehme einen relaxten Deep House Beat, himmlische Pads und ein oder zwei einprägsam gesungene Textzeilen. Der Gesang dient hier mehr zur Unterstreichung des Instrumentalen als – üblicherweise – umgekehrt. Das fertige Produkt erinnert mich sehr an den Balearic Beach Music Stil vergangener Jahre, aber auch an Künstler wie Chicane. Alles im allem zwei entspannte, harmonische Stücke, die man gerne auch mehrmals hintereinander anhören kann.

Zu House

Als ich letztens Spotify startete, fiel mir auf, dass meine Haupt-Playlist „Electronic Dance“ mittlerweile so lang geworden ist, dass es eine ganze Weile dauerte, bis ich beim Scrollen unten angekommen war. Ich beschloss, nun endlich ein bisschen aufzuräumen und vor allem eine neue Playlist anzulegen.

Viele Jahre war Trance mein absoluter Lieblings-Stil, wenn es um elektronische Musik ging. Im Laufe der Zeit fiel vielen Djs aber nichts Neues mehr ein und dadurch, dass elektronische Tanzmusik populärer wurde, David Guetta und Robin Schulz machten es möglich, wandten sich auch viele Künstler dieses Genres dem geldmachenden Stil zu. Man nehme die immer noch üblichen Grundelemente mit viel Pads, Euphoric Trance Stil und eine unbekannte Sängerin dazu, die ihre meist simplen Texte abliefert = fertig ist der zumindest theoretische Hit.

Zum Glück entwickelte sich aber in den letzten Jahren ein anderer Stil Richtung klassischem Trance und erfährt dadurch eine Art Frischzellenkur: Deep House oder auch Progressive House. Früher hätte man mich mit dem Wort „House“ jagen können. Da sich hier aber nun auch melodische Elemente neben sanften Pads zu angenehmen mal langsameren, mal schnellerem Beat einfinden – und das Ganze auch sehr häufig noch instrumental daherkommt – bin ich nun ein großer Fan dieser Musikrichtung geworden.

Viele Stücke sind auch etwas „dunkel“, melancholisch sozusagen, was mich dazu bewogen hat, für sie auf Spotify eine Extraliste anzulegen, „Shadowbeats“. Die Aktion hat sich schon gelohnt, denn die Liste „Electronic Music“ ist dadurch wesentlich verkürzt worden. Und beim Schaffen dieser Liste wurde mir nochmals klar, wie viele Berliner Vertreter es in diesem Genre mittlerweile schon gibt. Wie ich schon vor einiger Zeit schrieb, scheinen die Zeiten des Minimal Technos in Berlin weitgehend vorüber zu sein. Man produziert Melodisches, auch Eingängiges und vielfach entstehen interessante Remixe dazu. Ich hoffe, diese Entwicklung hält an und das Genre wird noch um viel mehr Künstler bereichert.

Sie hätten berühmt werden können

Kürzlich las ich, dass eine Band, die ich Ende der 80iger Jahre kennenlernte – Xymox (oder auch Clan of Xymox, wie sie sich davor und nach einer Weile wieder danach nannte) zu einem Konzert Ende des Jahres nach Berlin kommt. Das damalige Album „Twist of Shadows“ lässt sich wohl ohne Zweifel in die Top 5 meiner meistgehörten Favoritenalben aller Zeiten einreihen.

Ich habe dann ein bisschen recherchiert und herausgefunden, dass die Band in veränderter Besetzung seitdem kontinuierlich existiert und auch Alben herausgebracht hat. Fakt ist aber auch, trotz absolut hoher Qualität ihrer Musik, vergleichbar derer von „großen“ Bands wie The Cure oder Sisters of Mercy,  dass es diese niederländische Band nie so richtig geschafft hat mit dem Durchbruch. „Twist of Shadows“ war ein eigentlich schöner Erfolg – in Europa und in den USA – aber so richtig berühmt, wie die eben genannten anderen Bands, sind sie nie geworden. Sie haben aber bis heute eine treue, kleine Fanbase, die auch zu ihren Konzerten geht.

Wenn man viel Musik hört, so wie ich, stößt man öfters mal auf Bands, bei denen man sich fragt, warum sie es nie geschafft haben, eine größere Zuhörerschaft zu bekommen – etwas, was sie sich durch ihre Werke durchaus verdient hätten. Lag es am falschen Management, am Label, oder wollten sie eventuell gar nicht bekannter werden? Schwer zu sagen.

Ein weiteres, neueres Beispiel wären hier zum Beispiel „The Boxer Rebellion“, alternativer Rock, manchmal auch Pop, der durchaus massenkompatibel ist, tolle Arrangements, die selbst live im Stadion gut klängen. Aber auch sie schaffen nicht den Durchbruch, touren in erster Linie durch kleinere Clubs und Spielstätten. Das mag für den Besucher dieser Konzerte durchaus auch ein Vorteil sein, für den Geldbeutel der Band aber wohl eher nicht.

 

Berlin wird melodisch

Nimmt man mal meinen Musikgeschmack, der neben Alternative Rock einen Schwerpunkt in elektronischer Musik wie Trance, Elektro und auch Ambient findet, war ich anfangs der 00er wohl in die falsche Stadt gezogen. Denn in Berlin stand man fast exklusiv nur auf Minimal Techno – eintöniger Beat der 10 Minuten vor sich hintrampelt, dann scheppert irgendwas, oder einer räuspert sich, bis es dann wieder monoton weiterrödelt. Etwas was man überall, auch in der Öffentlichkeit wie zum Beispiel im Radio oder in den Parks der Stadt hören durfte.

Seit einiger Zeit ändert sich aber was in Berlin, die elektronische Musik wird vielfältiger und melodischer. Der geneigte Trance-Hörer findet wahrscheinlich mittlerweile auch Deep House gut – also melodischen House, der sich fast immer tranceartige Elemente und einen schönen Break erlaubt. Und in dem Bereich, wie auch in anderen Sparten elektronischer Dance-Musik gibt es viele Djs wie Ryan Davis, Aparde, Perel oder auch – hier folgend – Stephan Hinz, der einen richtig tollen Remix für Elektronik-Legende Jon Hopkins gemacht hat.

Sternenmusik

Die Londoner Band Solomon Grey tritt normalerweise an Orten wie der Royal Albert Hall und der Elbphilharmonie auf.  Für ein ungewöhnliches Konzert entschlossen sie sich jedoch für einen völlig anderen Ort: Das Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg. Etwas, was auch für sie Neuland war.

Ihre Musik – ein Querschnitt aus Klassik, Filmmusik, elektronischen Balladen und Popmusik – passte bei dem gut besuchten Konzert wunderbar zu dem visuellen Spektakel, das sich über den Köpfen der Besucher*innen abspielte. Auch die Bandmitglieder konnten offensichtlich nicht anders,  Tom Kingston schielte während des Bedienens der verschiedenen elektronischen Instrumente gelegentlich nach oben.

Sicherlich, es war teilweise etwas schwierig, Performance und Visuelles miteinander zu vereinen. Die Animationen an der Kuppel lagen im Zentrum der Aufmerksamkeit, die Band zu verfolgen, wie sie spielt, war schwierig, zumal sie eh im Dunkeln stand und man sich fragte, wie sie denn die richtigen Tasten finden können. Alles im Allen war das Konzert aber eine richtig schöne und gelungene Veranstaltung, die von netten Gesprächen der Bandmitglieder mit den Besucher*innen nach dem Konzert abgeschlossen wurde.

Brit-Rock

Beim ausverkauften Konzert am heutigen Abend im Frannz Club, Prenzlauer Berg, gab es gleich zwei tolle Bands aus Großbritannien zu sehen: die Newcomer „Victories at Sea“ und die leider immer noch zu wenig bekannten, unterbewerteten „The Boxer Rebellion“.

Ich hatte letztere schon vor Jahren live gesehen und war froh, dass in Gegensatz zu damals der Frannz Club nun ausverkauft war, was eine deutlich bessere Stimmung verursachte. Apropos Stimmung: Ich habe selten eine so gute Stimmung und so viel Applaus bei einer Vorband gesehen wie bei Victories of Sea, die zum ersten Mal Konzerte in Deutschland geben.

The Boxer Rebellion hat seinen Stil beim demnächst erscheinenden Album etwas geändert, weniger elektronisch, mehr akustische Töne. Auch diese, neuen Songs kamen beim Publikum an, sodass das ganze Event richtig gut war.

Musik unterm Sternenzelt

Die Londoner Band „Solomon Grey“ erfreut sich seit einiger wachsender Beliebtheit. Spotify hat sie mir schon mehrfach empfohlen und nach intensiven Studium unter anderem ihres neuen Albums „Human Music“ bin ich begeistert. Ihre Musik stellt einen einzigartigen Mix aus Instrumentaler / orchestraler Ambientmusik und schönen, gesungenen Balladen dar, die ein bisschen an Bon Iver erinnern.

Umso erfreulicher, als ich feststellte, dass Solomon Grey demnächst ein Konzert in Berlin haben – und das unter dem Sternenhimmel im Planetarium.