Streaming-Amnesie

Sicher, in diesen Pandemie-Zeiten kommen VoD-Systeme (Video on Demand) gerade recht. Denn sie ersetzen andere Freizeitaktivitäten, die momentan nicht oder nur eingeschränkt möglich sind. Mit zunehmendem Konsum von TV-Serien oder Filmen ergibt sich für mich ein Problem, dass mich stutzen lässt: Es ist mir doch tatsächlich schon mehrere Male passiert, dass ich mir einen Film aussuche, der recht vielversprechend beschrieben wird, ich fange an, den Film zu sehen – und erst nach einer Weile kommen mir gewisse Inhalte bekannt vor. Langsam dämmert es: Den hab ich doch schon mal gesehen? Was nun? Und wie konnte das passieren, bin ich schon so alt und vergesslich? Je nachdem , ob ich mich zusätzlich noch erinnern kann, dass der Film gut oder schlecht war, sehe ich ihn mir noch mal an, oder breche ihn ab.

In einer zusätzlichen Variante – auch gelegentlich passiert – fällt mir ein, dass ich den Anfang des Films entweder nicht gesehen habe (damals später erst eingeschaltet – TV Programm) oder dass ich den ein oder anderen Teil des Films nicht kenne (zwischendurch beim ersten Mal eingeschlafen).

Nach Erkenntnis dieses Problems habe ich mich vertrauensvoll an ein VoD-Forum auf Facebook gewandt und geschildert, was mir mehrmals passiert ist. In ein paar Minuten hatte ich schon mehrere „Das passiert mich auch oft“ „Du bist nicht alleine“ Reaktionen, insgesamt war dies einer meiner meist gemochten / kommentierten Beiträge. Einige schilderten auch das Phänomen – mir nicht unbekannt – dass sie sich zwar plötzlich erinnern konnten, den Film gesehen zu haben, aber nicht mehr wussten, wie er endet. Insgesamt gesehen, war dies einer der am meisten mit „Like“ versehenen und kommentierten Beiträge, die ich bisher in diesem Forum geschrieben habe.

Im Zeitalter des steigenden Konsums von TV-Serien und Filmen über Prime, Netflix und co. ist es völlig ok, wenn der Zuschauer nach einer Weile Filme und deren Inhalte vergisst. Das hat ja auch einen positiven Effekt – man kann einen guten Film noch mal genießen.